Magus Merlin

Endlich gelang es. Es war längst überfällig. Peinlich lange hatte es gedauert. Zuerst war Bärtram verschwunden und mit ihm die Akten über die neuen Schüler. Dann dauerte es, bis sich der Magierrat vernünftig konstituierte. Dann ging es um die Zeremonie, dann um eine mögliche Berufskleidung, schließlich um einen angemessenen Ort und immer wieder um die Zeit. Ständig tauchten neue Hürden auf, aber am langwierigsten war, Auskunft zu erhalten von all den angeblichen Schülern, ob sie wohl noch bereit wären, in den Rat aufgenommen zu werden. Gestern, für den 10. November, war sie dann endgültig geplant: die Aufnahme des hervorragenden Zöglings Merlin in den Rat der Magier. Und wieder verdüsterte sich der Himmel, als wollten die Gewalten der Hölle diesen strahlenden Nachfahren des großen Merlin nicht als richtigen Magier sehen: ein großes Gemetzel war angekündigt und nicht sicher war, ob es die Teilnehmer schaffen würden, unbehelligt zum Ort der Zeremonie zu gelangen, oder ob man erst Leichenteile hätte beseitigen müssen.

Aber ein gütiges Schicksal gewährte uns einen günstigen Augenblick: Merlin benötigte die offizielle Zulassung zur Gilde, um das von ihm begehrte Lustschloss, räusper, ähm, ein bescheidenes Häuschen erwerben zu können, und da schon etwas Volk zusammengekommen war, entschloss ich mich, sofort die nötigen Weihen zu vollziehen. Auf luftiger Zinne über allen Dingen schwebend, ward Merlin, das vielversprechende Talent, in die Zunft aufgenommen und mit Kaffee und Zauberstab ausgestattet, selbst eine bequeme Couch schaffte Delphi herbei, die großartige Baumeisterin. Ein Prosit auf den mächtigen Sproß des Merlingeschlechts erklang, Champagner wurde geschlürft, vor Rührung befiel manche Teilnehmerinnen ein Taumel der Glückseligkeit, was bei der Höhenlage fast zu Unfällen geführt hätte.

Merlin wird Magier

Merlin wird Magier

Nun hat der Magierrat ein neues Mitglied, was auch dringend nötig wurde, da am selben Abend noch Lady Biggi ihren Abschied einreichte, wegen anderer Aufgaben in anderen Zeiten und Ländern. Klein ist die Zahl der Magier geworden, aber von besonderer Kraft und Ausstrahlung, wie mir scheint, und so gilt es, unseren Platz neu zu erringen unter den Gruppen derer, die Carima bevölkern und voranbringen wollen.

Dem neuen Magier gilt unser herzlicher Glückwunsch! Möge sein Schaffen segensreich sein, möge er Wunden heilen und Tränen trocknen, möge er Dämonen vernichten und Engel herbeirufen. Möge er sich Ruhm erwerben, dass jede Frau und jeder Mann voll Hochachtung sprechen: Das ist der mächtige Magus Merlin, Meister der Magie und Mittler zwischen den Welten!

2 Antworten zu “Magus Merlin”

  1. Furchtlos und treu senkte Merlin dankbar das Haupt nach seinem langen nicht enden wollenden Wege durch das Studium und unzähligen Prüfungen, erfüllt von Erfurcht und nicht enden wollender Freude.

    Ein kleines Gedicht aus dem hektischen 1. der 20 Semester seiner Ausbildung zum Magier gewidmet der hohen Gilde der Magier und seinem Primus Magus, Meister und Freund Asgardill :

    Der junge, wilde Adeptus Artis Magica

    Jener Herr der Zaubersprüche
    ging aus seiner Magierküche
    auf die Suche nach Rezepten
    und er wünschte vom Adepten
    Disziplin und Manneswürde
    übertrug ihm eine Bürde
    denn er sei allein gelassen
    um sehr sorgsam aufzupassen
    auf das Haus und auf die Sachen
    die er möge gut bewachen:
    Magierbuch und Bücherständer
    Zauberstäbe, Mondkalender
    Pentagramm und fremde Tränke
    all die gut gefüllten Schränke
    mit den Formeln und den ganzen
    Elixieren und Substanzen.

    Ganz allein in der Domäne
    schmiedet nun der Lehrling Pläne
    will sich seine Macht beweisen
    im Gehirn Gedanken kreisen
    werden feste Illusionen
    sprengen alle Dimensionen
    heute will er es vollbringen
    jene Endlichkeit durchdringen
    ach, wie kurz die Lebensspanne
    diese Tat hält ihn im Banne
    er will dieses Rätsel lösen
    und dem Tod, dem bitterbösen
    eine lange Nase drehen
    soll die Magiergilde sehen
    was für einen Wunderknaben
    sie in ihren Reihen haben!

    Ungetaufte Menschenknochen
    möglichst frisch und grob zerbrochen
    Phosphor, Eisenkraut, Salpeter
    von der Natter einen Meter
    Eulenschnäbel, Fliegenpilze
    Rabenfedern, Flechtenfilze
    dreier Fledermäuse Ohren
    Spinnenbeine, stark vergoren
    Apfelkerne, Malz und Hopfen
    zwanzig Tropfsteinhöhlentropfen
    Wanzenblut und Blaue Nessel -
    alles in den Magierkessel
    gut verrührt und kurz geköchelt
    bis die Mischung leise röchelt
    und die Dämpfe sich vermessen
    stöhnend in die Freiheit fressen.

    Das Gebräu ist endlich fertig
    der Erfolg ganz gegenwärtig
    auch scheint das Gemisch komplexer
    als der Sud vom alten Hexer
    welcher einst die Zeit zerschmettert -
    flink im Zauberbuch geblättert
    jene Seiten aufgeschlagen
    die zu lang im Dunkel lagen
    alte Worte schnell verkündet
    seine Furcht ist unbegründet
    die Mixtur recht unverdrossen
    in das Pentagramm gegossen
    welches gleich beginnt zu glühen
    kleine Funkenblumen blühen
    kurz darauf die Wolken blitzen
    und der Lehrling kommt ins Schwitzen.

    Es hat sich ein Sturm erhoben
    Regen, Wind und Donner toben
    tief im Untergrund ein Beben
    toter Stoff beginnt zu leben -
    eine frisch erweckte Leiche
    gräbt sich aus dem Erdenreiche
    blickt umher, ist noch benommen
    alte Triebe wiederkommen
    sie fixiert den Menschenjungen
    von der Lust nach Fleisch durchdrungen
    scheinen ihre bösen Augen
    an des Lehrlings Hals zu saugen
    sie erhebt sich, taumelt mäßig
    wirkt recht gierig und gefräßig
    ob der unvermutet Sichtung
    und strebt in des Lehrlings Richtung.

    Panisch rennt der Magierlaie
    wild umher und seine Schreie
    rufen noch mehr Kreaturen
    aus den Raum- und Zeitfrakturen
    vor dem Treiben, das entglitten
    kann er sich mit schnellen Schritten
    durch des Teufels Marionetten
    in die Besenkammer retten
    knallt die Türe in den Rahmen
    dann die Beine ihm erlahmen
    und entzieht sich den Attacken
    der Erweckten, ihn zu packen -
    als sich Holz und Holz begegnen
    knirscht es scheußlich und es regnen
    faulig-schwarze Fingerglieder
    auf den Lehrling schwer hernieder.

    Plötzlich hört er von der Pforte
    seines Meisters harte Worte
    welcher lauthals zornig fluchend
    seinen Lehrling wütend suchend
    völlig fassungslos betrachtet
    was der Dummkopf – wohl umnachtet -
    ahnungslos hat angerichtet
    bebt vor Unmut und vernichtet
    mit der Kunst der Magiermeister
    all die freigesetzten Geister
    weiß die Toten zu zerstören
    fremde Formeln sind zu hören
    kann den Zauber unterbinden
    schließlich Spuk und Lärm verschwinden -
    ungebrochen bleibt die Stille
    denn nun herrscht des Meisters Wille.

    Zaghaft dringt des Lehrlings Jammer
    aus der kleinen Besenkammer
    darin unter Pergamenten
    hockt er zwischen abgetrennten
    Leichenfingern – blass und zitternd
    und des Meisters Ärger witternd
    klammert er sich an die Besen
    zwar sind fort die finstren Wesen
    welche böse und entartet
    doch was ihn jetzt gleich erwartet
    wird gewiss kein Zuckerschlecken
    denn er sollte vom Erwecken
    der Verfaulten Abstand nehmen
    und von diesen dunklen Themen
    erst in den Gesellenjahren
    wissen, lernen und erfahren.

    Schamvoll greift er nach der Klinke
    ach, im Boden er versinke
    traut sich aus der engen Zelle
    überquert die flache Schwelle
    steht dann vor dem Herrn des Hauses
    dieser wirft zurück sein krauses
    Haar und spricht mit Donnerstimme
    nun des Magierlehrlings schlimme
    Torheit habe Konsequenzen
    denn Geduld hat ihre Grenzen
    und so sei es jetzt entschieden
    dass er ob der sehr stupiden
    Handlung möge sich entfernen
    und woanders zaubern lernen -
    die Moral von der Geschichte:
    Leichtsinn macht die Kunst zunichte!

  2. asgardill Sagt:

    Ganz vortrefflich, lieber Herr Merlin, äußerst unterhaltsam und ein wirklich feinsinnig-humoristisches Stück. Auch äußerst passend auf Euren Werdegang, wie mir scheint.

    Nur für den Fall, dass Ihr nicht jener sagenhafte Philophobus seid, der das Gedicht geschrieben hat, hier die Quellenangabe: http://www.gedichte.com/showthread.php?t=92046

    Ehre, wem Ehre gebührt, das gilt auch bei den Magiern.

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