Archiv nach Kategorie "Auftrag"

Übergang

Veröffentlicht in Auftrag, Die Magier, Merkwürdiges am 18. November 2008 von asgardill

Es kam, wie es kommen musste. Es war vorauszusehen, aber zu lange hatte ich die Augen davor verschlossen. Schon vor Monaten waren Confratres aus Aragon nach Carima gekommen, um mich zu suchen, aber vor denen konnte ich mich noch verbergen. Aber dann hatte seine Eminenz eine Späherin geschickt, aus Avalon, nicht dumm, sie kannte mich noch aus meiner Jugend, sie kannte meine Gewohnheiten und meine Neigungen.

Vermummt schlich sie nachts zu mir, kaum zu erkennen, und als ich sie wahrnahm, gab es kein Entrinnen mehr. Ob es Bärtram genauso ergangen war? Aragon hatte nach Rom gemeldet, dass ich verschollen sei und meinem Auftrag nicht mehr nachkommen würde. Statt dessen würde ich schönen Frauen den Hof machen und mich in eine obskure Magiergilde einschleichen. Man hatte nicht viel Verständnis für meine Eskapaden, und seine Eminenz war vor allem deshalb so ungehalten, weil ich keinen Fortschritt hinsichtlich meines Auftrags zu vermelden hatte.

Die geheime Gesandte setzte mir das Messer auf die Brust. Da man mich sogar im trauten Gespräch mit angeblichen Hexen gesehen hatte, müsse ich jetzt eine Entscheidung treffen: Entweder die Brücken nach Rom und Aragon endgültig abbrechen und Vollmitglied der ehrenwerten Gesellschaft von Carima werden – hier würde der Vatikan wegen des Konkordates mit der Königin nicht mehr einzugreifen wagen – oder nach Rom kommen, Buße tun und als Strafe – wenn sie denn milde ausfiele – vermutlich viele Jahre als Archivar in den Kellergewölben des päpstlichen Appellationsgerichts zubringen.

Nächtelang wälzte ich mich auf hartem Lager, um eine Entscheidung zu treffen. Könnte ich den mutigen Merlin, die entzückende Emily, den tüchtigen Tulkas, die drollige Domini zurücklassen? Soll ich meine Aufgabe verraten, meine Herkunft, meine Bestimmung? Eine Entscheidung musste fallen, ständig bedrängte mich die heimliche, unheimliche Gesandte …

Nachts fiel die Entscheidung, am frühen Morgen ward sie in die Tat umgesetzt. Rasch waren die Habseligkeiten verstaut, die Spuren beseitigt, die Kontakte getilgt … und los ging es auf geheimen Pfaden in die weit entlegenen Berge. Dort wo der Sonnenstrahl klarer und reiner scheint als anderswo, wo der wilde Efeu die Hänge ziert und die Raben ihre Nester bauen – dort ließ ich mich nieder, um mit mir ins Reine zu kommen, die Verfolger abzuschütteln und der Natur ganz nahe zu sein.

„Werd wie ein Kind,
werd taub, werd blind!
Dein eignes Ich
muss lassen sich.
Was ist, was nicht, – lass
fahren nur!
Lass Raum, lass Zeit,
auch Bilder meid!
Geh ohne Weg
den schmalen Steg:
so findest Du der Wüste Spur. „

Mit diesem Rat Meister Eckharts lege ich die Zeit ab und werde frei, frei für das Ganze.

„O Seele mein,
geh aus, Gott ein!
Sink all mein Ichts
in Gottes Nichts,
sink in die grundlos tiefe Flut!
Flieh’ ich vor Dir:
Du kommst zu mir.
Verlier’ ich mich,
so find’ ich Dich -
o überwesenhaftes Gut!“

Reisebericht

Veröffentlicht in Auftrag, Erfreuliches am 31. August 2008 von asgardill

XXX Augusti MMVIII

Gestern von Reise nach Italien zurückgekehrt. Dem Provinzoberen von Siena sollte ich auf Geheiß des Heiligen Vaters Bericht erstatten. Dieser war aber an meinen Beobachtungen nicht sonderlich interessiert, so dass ich ausgiebig Zeit hatte, die Heiligtümer der Gegend zu besuchen. Eine gewisse Antonella machte mir den Hof, aber dies erinnerte mich nur aufs Heftigste an die liebe Gefährtin, die ich leider für einige Tage auf Carima zurücklassen musste.

Dom von Siena

Der Hohe Dom zu Siena

Der Dom von Siena ist immer einen Besuch wert, und in der Libreria Piccolomini liegen die neuesten Messgesänge aus, die ein kleiner Mönch auf Wunsch für die Sangesunkundigen anstimmt. Hier delektierte ich mich aufs Vortrefflichste, zumal der kleine Mönch gegen einen kleinen Obulus auch die Tonlage nach Belieben wechselte.

Auf dem Rückweg machte ich noch einen Abstecher nach Arezzo, da mir der Weg nach Montepulciano zu weit war und dessen berühmter vino nobile auch in Arezzo kredenzt wird. Abends vergnügte ich mich mit einem Künstler namens Piero della Francesca, der durch einen großen Malauftrag in der Kirche des Heiligen Franziskus etliche Taler verdient hatte und beim Wein durchaus freigebig war. Einmal war unsere Zeche allerdings so umfangreich, dass er ernstlich böse wurde und mich als Rache in eines seiner neu gemalten Bilder mitten in der Kirche hineinmalte, wie ich Wein und Schinken von mir gebend – allerdings aus der dafür eigentlich nicht vorgesehenen Körperöffnung – im Schlachtengetümmel einen gar elendiglichen Eindruck machte. Schon begann es sich in Arezzo herumzusprechen, wer diese neue Gestalt auf Pieros Bildern sei, dass ich in meiner Not nicht anders konnte, als mich nachts aus dem Bild wieder herauszukratzen.

Pieros Untat und meine Schandtat

Dadurch blieb – deutlich auf dem Bild zu sehen – ein hässlicher leerer Fleck zurück, was mir wirklich sehr leid tat, aber Piero hatte schließlich mit den Bosheiten angefangen.

Auf der langen Heimfahrt las ich mich an den Legenden des Jacob von Voragine fest, der wirklich gut schreiben kann und immenses Wissen angehäuft hat. Ziemlich druckfrisch hatte ich den umfangreichen Band von meinen Confratres zum Abschied geschenkt bekommen, wohl auch deshalb, weil ich auf Pieros Kosten einige Fässer Wein diskret in meine Herberge hatte schaffen lassen und sie dort meinen Brüdern in Christo überließ.

Legenden des Jacob von Voragine

Legenden des Jacob von Voragine

So kam ich wohl unterhalten und durchaus erholt wieder auf Carima an, um mich erneut den Scharmützeln und Händeln der Bewohner auszusetzen und dabei insgeheim doch nur meinen Auftrag zu verfolgen …

Ach Du mein Italien, Land der Liebe und der Sonne, Du wirst in meinem Herzen bleiben, bis wir uns wiedersehen.

Cortona in der Abendsonne

Cortona in der Abendsonne

Wenig Verdächtiges

Veröffentlicht in Auftrag am 13. Juli 2008 von asgardill

An die Oberen mit untertängistem Gruß,

meinem Auftrag folgend beobachte ich die Menschen auf Carima. Von Häresie ist wenig zu spüren, wenngleich heidnische Gebräuche im Schwange sind, die jedoch eher zum üblichen Aberglauben des einfachen Volkes zu rechnen sind als dass sie bewusste Abwendungen darstellten. Manche Bürger halten wohl auch die örtliche Kirche und ihre Vertreter in Ehren, selbst ist mir der Ortsklerus aber noch nicht zu Gesicht gekommen. Ich beobachte weiter …

Ankunft auf Carima

Veröffentlicht in Auftrag am 10. Juli 2008 von asgardill

Vor wenigen Tagen also auf Carima eingetroffen. Das Land stellt sich so dar wie von den Kundschaftern beschrieben. Um meinen Auftrag ungestört erfüllen zu können, trete ich der Gilde der Magier bei und pachte ein Stück Land.

Erste Eindrücke: Das Volk ist manchmal mürrisch, manchmal neugierig. Frömmigkeit lässt sich nur wenig feststellen, so fehlt das Glockengeläut vollständig.

Unter den Bewohnern ist die Schankmaid Nora besonders zutraulich, wie überhaupt die Schänke auf dem Marktplatz Treffpunkt am frühen Abend ist. Ich unterhielt die Menge mit ein paar Versen und die Schankmaid schlug mit großem Geschick die Laute dazu.

Kürzlich mischte sich Fürstin Julia nächtens unter das einfache Volk, aber vom Adel ist nicht sehr viel zu sehen. Ich muss die Leute noch besser kennenlernen …