Archiv nach Kategorie "Satan"

Hydra

Veröffentlicht in Die Magier, Satan am 18. Oktober 2008 von asgardill

October 18

Das Grauen! Hier ist es wieder: das Grauen! Wie ein kalter Nebel zieht es durch Woods, wie ein eisiger Strom durch Sealand, wie ein frostiger Wind über Valley. Das Böse erwacht wieder, unermessliche Gefahr droht, die Apokalypse ist nahe. Aber vielleicht ist es nur ein Alptraum, vielleicht schrecken manche nur auf, geplagt von finsteren Erinnerungen, und denken sich das harmlose Flüstern des Laubes als Schritte des Bösen.

Aber der Reihe nach: Heute sprach beim Staatsanwalt vor die Bürgerin Dariah, von Berufs wegen Amazonin und Hüterin des Gesetzes. Was sie berichtete, wurde kurz darauf von ihrer Vorgesetzten, Lady Dilara, bestätigt. Gemeldet wurde der Fund eines ominösen Schreibens, in dem ein Wesen namens Hydra die Führerschaft über die Jäger der Nacht anmeldet. Hier ist eine Ablichtung dieses Schreibens.

Dieses Schreiben sei auf Woods gefunden worden. Ferner wurde berichtet, dass ein Buch in der Amtsstube verunstaltet worden sei, offfensichtlich das Grundbuch, in dem die Bewohner handschriftliche Einträge zu ihren Besitztümern anfertigen. Nach Mutmaßung der Leitenden Amazonin sei eine Buchseite enfernt worden, und zwar jene, die die Handschrift des gefundenen Schreibens aufweise. Damit solle verhindert werden, dass jemand die Handschrift erkenne und die Person, die offensichtlich den Gestaltwandel zu einem schrecklichen Wesen beherrsche, identifiziere. Als Verdächtige für diese Beschädigung des Bandes wurde Grafin Susi benannt. Ferner sei die Kopie des oben genannten Schreibens entwendet worden, das die leitende Amazonin dort deponiert habe.

Aufgrund dieser Befunde und dem Appell der Amazonendirektorin, die Sache als besonders dringlich zu behandeln, sandte ich Kopien des Schreibens an die leitenden Geschäftsführer der wichtigsten bewaffneten Gruppen des Landes mit der Bitte um erhöhte Wachsamkeit. Ferner lud ich Gräfin Susi zur Anhörung vor. Aufgrund der besonderen Bedeutung dieses Falles könnte hier sogar eine hochnotpeinliche Befragung indiziert sein. Ich werde über die weiteren Vorgänge berichten.

Anmerkung: Die Hydra war in der Antike eine neunköpfige Schlange mit einem unsterblichen Kopf und acht, die nachwuchsen, wenn man sie abschlug. Hercules zerschlug deshalb die acht Köpfe und brannte die Hälse aus (siehe Zeichnung). Auch den neunten schlug er letztlich ab. Wenn es sich um eine Ausgeburt der Hölle handelt, also um einen untoten Wiedergänger, wäre neben Gewalt auch der Einsatz von Magie möglich, mit der die Verbindung zur Unterwelt unterbrochen wird und das Wesen normal sterblich wird.

Oktober 19

Anhörung Ihrer Durchlaucht Gräfin Susi zum Vorwurf des Eindringens in die Amtsstube und Entwendens von Schriftstücken.

(1) Die Angeschuldigte räumt ein, am besagten Termin (Donnerstag nacht) im Rathaus gewesen und die Amtsstube betreten zu haben. Sie räumt auch ein, Akten aus dem Aktenschrank herausgenommen und betrachtet zu haben. Sir Robert sei in der Nähe gewesen und könne sachdienliche Angaben machen.

(2) Eine Schriftprobe der Gräfin mit den Worten „Hydra“, „Kampf“ und „Führer“ ergibt keine Übereinstimmung mit dem Schreiben der angeblichen Hydra.

(3) Der Gräfin wurde zur Förderung eines Geständnis die Maßnahmen der Tortur beschrieben. Eine erschreckende Wirkung konnte erreicht werden, ein Geständnis nicht.

Disputatio: Aufgrund der mangelnden Übereinstimmung von Schriftprobe und Hydra-Brief liegt kein dringender Tatverdacht vor, dass von der Gräfin höchstselbst eine massive Bedrohung ausgeht. Es ist auch unwahrscheinlich, dass die Gräfin ein Beispiel der eigenen Schrift aus den Akten entwendet haben soll, da ihre Schrift nicht unter Verdacht steht. Im Raum steht also nur noch der Verdacht der Entwendung der Kopie eines Schreibens unklarer Bedeutung. Dies kann aus einfacher Neugier oder aus bedeutenderen Motiven geschehen sein. Eine Aufklärung der Gründe wird ohne massiven Mitteleinsatz nicht zu erbringen sein. Es kommen auch viele andere Personen als Diebe in Frage. Ein Beweis zu Lasten der Gräfin wird kaum zu führen sein. Außerdem ist der Schaden gering: Die Kopie an sich ist nicht viel wert.

Consecutio: Anhörung von Sir Robert; Unter-Verschluss-Nahme der betreffenden Akte; weitere Befragung der Gräfin nur bei dramatischeren Vorkommnissen.

Modenschau

Veröffentlicht in Erfreuliches, Satan am 4. August 2008 von asgardill

Auf Carima legt man Wert auf erlesene Kleidung. Ritter tragen neben Blechteilen edle Stoffe, Amazonen bedecken ihre Brüste, sofern sie noch welche haben, mit kräftigem Leder und der Adel schwelgt ohnehin in Samt und Seide. Für weniger übliche Anlässe erhalten Sie hier unsere aktuellen Modetipps.

Wenn man sich auf dem Friedhof aufhält, ist gedeckte Kleidung angebracht. Das neue Startdown-Unternehmen Heels & Hell empfiehlt einen klassischen Gesichtsschutz, um Zeichen der Rührung zu verbergen, sowie modische Accessoires mit ägyptischen Todesmotiven (siehe Foto unten). So machen Sie bei jedem Begräbnis einen flotten, irgendwie mitgenommenen, aber nicht übertrieben eleganten Eindruck.

Auch für die Touristenführer in der Unterwelt bringt die Herbstsaison neue Mode. Als Guide, der mit vielen Gästen zu tun hat, sollte man gleich vom Outfit her für ein bisschen Gänsehaut sorgen. Ein kräftiger Rotton ist dem Herbst und den Tiefen des Orkus durchaus angemessen (siehe nächstes Foto). Auffällige Beinkleider von BRATA, eine pfiffige Gesichtsbedeckung von BISS, eine dynamische Kopfbedeckung von EMPÖRIO ARMUTI und ein seidener Umhang von DOLCHE & GRAPPA machen Sie chic für die Jobkarriere in der Unterwelt. Für Kinder sollten Sie jedoch Bonbons bereithalten, sonst könnte sich manch Kleiner, das von alternativen Eltern ohne Gameboy und Fernsehen großgezogen wurde, vor Ihnen grausen.

Wollen Sie abends den Herrn der Schöpfung mal so richtig verführen, darf es nicht zu viel Stoff sein. Trotz der kühlen Herbsttage kann man am prasselnden Feuer nach einem „Sex on the Beach“ durchaus die Hüllen fallen lassen. Wir empfehlen Ihnen (siehe nächstes Foto) ein gedecktes Ganzkörpermakeup von YVES RAUCHER (hält etwa drei Wochen), ein knappes Leinenensemble von JEAN PAUL TIERGAUL, verführerische Koboldsaccessoires von CHRISTIAN DIOT (Vorsicht, können am Feuer heiß werden!) und ein ableckbares (!) Tattoo von GUCKI. Legen Sie dann noch wilde Saxophonklänge von Conny Conrad auf und Ihr Angebeteter wird Ihr stöhnendes Opfer sein. (Im Hintergrund noble Abendgarderobe für den Opernbesuch vor dem lauschigen Abend.)

In unserer nächsten Folge von Modetipps für Carima werden wir uns mit dem neuesten Trend zum dunklen Vampirlook beschäftigen. BAD IS BEAUTIFUL heißt die Devise, denn Vampire können – im Gegensatz zu Friedhofsbesuchern und Höllentouristenführern – richtig böse sein.

Die Errettung

Veröffentlicht in Merkwürdiges, Satan, Tini am 1. August 2008 von asgardill

Primae Augusti MMVIII

Domine, labia mea aperies, et os meum annuntiabit laudem tuam. Amen.

Tini, die Heilerin. Sie heilte viele, sie heilte gut. Doch die Zeiten sind ungewiss geworden. Derzeit benötigt sie selbst Heilung. Sie muss wieder heil werden, sie muss sich zusammenfinden, sie muss wieder voll sie selbst werden. Ein schweres Schicksal lastet auf ihr, und nur ahnen kann ich, was vorgeht und nötig ist.

Ein Engel war mir im Traum erschienen, er sah so weiß und rein aus wie der Engel, der die Satanin besiegt hatte, er litt und hatte Mühe, sich aufrecht zu halten. Ein schwarzer Schwan erschien im Traum, ihn zu stützen, doch er brauchte nicht den Schwan, sondern die Heilerin, mit dem ihn etwas verbindet, was über diese Welt hinausführt. Warum saß am nächsten Tag ein schwarzer Schwan in meinem Garten?

Tags zuvor war dieser weiße Engel auf Woods erschienen, Lady Aliena hatte mit ihm gesprochen, nichts ahnend, von Tini war die Rede, von einer toten Tini, der Engel erschauerte und auch ich konnte es nicht fassen.

Wieder diese Traumbilder. Wo ist Tini, tot oder lebendig, der Engel braucht sie, er scheint ein Zwischenwesen zu sein, so eines wie diese sinnlichen Geister, die man verharmlosend als Putten in den Kirchen zeigt, dargestellt wie kleine Kinder, um die Angst zu verdrängen, die einen befällt, wenn Geister in dieser Welt Gestalt annehmen.

Ich schicke Idun aus, weit zieht sie ihre Kreise über Carima, Woods, Elwyne, Harbour, in jede Ecke späht sie, aber sie kommt unverrichteter Dinge zurück. Nora und Vegoth schneidern ihre hübschen Kleider, Arima zieht ihre bunten Sachen an, neues Volk trifft sich an der Schänke – aber nirgendwo ist Tini zu erblicken. Liegt sie tot am Meeresgrund, haben Geier sie zerfressen, haben sich Werwölfe über sie hergemacht?

Endlich, die wackere Masajo, und Munin, ihr unerschrockener Begleiter. Es drängt mich, sie zu sprechen in persönlichen Dingen, aber die Vorgänge um Tini dulden keinen Aufschub. Sie ist sofort bereit mich zu begleiten auf meiner Suche, die treue Masajo, Gott schütze sie. Vorbei an der Schänke, bei der ich – und nur ich allein – ein gehörntes, geflügeltes Wesen wahrnehme, ein Menetekel vielleicht, weiter geht es zum Haus der Heilerin, hinan zur Kirche, und hinüber zum Wasserfall, an dem sie gerne sitzt. Das Wasserbecken ist leer und der heimelige Raum mit dem warmen Fell auch.

Tini gerettet

Tini gerettet

Ratlos stehen wir herum, da fällt mir die Bärenfratze an der Wand auf, welche die Rückseite der Höhle bildet, als wolle sie böse Geister am Eindringen hindern. Am Eindringen … ich lehne mich unwillkürlich gegen die Wand und schon weicht sie zurück und gibt den Blick frei auf einen Pfad und dort, nur wenige Atemzüge entfernt, im Dunkel, in der Kälte, in der Nacht des Todes – liegt sie. Wir haben Tini gefunden, kein Zweifel, bedrückt und voller Aufregung schaffen wir sie gemeinsam auf das Bärenfell, sie liegt wie tot, und ich beginne schon, die Worte des Abschieds über sie zu sprechen: Staub bist Du, und zum Staube wirst Du zurückkehren, der Herr aber wird Dich auferwecken am jüngsten Tage.

Da keimt Hoffnung auf. Der Herr aber wird Dich auferwecken… In unseren verzweifelten Bemühungen, Leben in ihr zu finden, beginnen wir, Tinis Leib mit Fichtennadelöl einzureiben, einem kräftigen Elixir versetzt mit Menthol und mit Schleim von den unsterblichen Waldgeistern, Masajo übernimmt das, geschickten arbeiten ihre Finger, zu grob könnten meine Hände sein oder zu abgelenkt von den verlockenden Rundungen, an denen die Heilerin nicht arm ist. Der Herr aber wird Dich auferwecken …

Meine besorgte Gefährtin findet Bissspuren von Schlangen, aber nicht von der giftigen Otter oder der tödlichen Natter, sondern nur von der Schleiche, so dass mir kommt, es könnte ein Zauber sein, der die arme Tini ins Jenseits geschickt hat … doch wo ein Zauber dies bewirkt, kann ein Zauber dies auch aufheben, sofern sie Charon noch nicht das Fährgeld bezahlt hat für die Fahrt über den Styx, der Herr aber wird Dich auferwecken …

Ich beginne das Egressus sum und den Psalm der Tiefe zu beten, spreche auch den mächtigen Spruch, mit der mein Großvater Mithrigil meinen Vater aus dem Totenreich zurückholen wollte, allein, dieser hatte dem Irdischen schon entsagt, um andere zu retten, und schicke meine ganze Vis vivendi in diese Sterbliche, spüre meine Kräfte entweichen, aber dies ist gut, dies ist sehr gut, denn so weiß ich, dass sie ankommen, diese Kräfte, und dass sie eine Antwort finden in der Zwischenwelt, auch wenn es mich selbst langsam hinüberzieht in dieses Schweben zwischen Tag und Tod, in diese Leichtigkeit des Vergessens, in das mächtige Nichtempfinden, das so friedlich wirkt, der Herr aber wird Dich auferwecken …

Auch Masajo beginnt Silben zu murmeln, ich höre geheime Worte des Nordens, und sie scheint über gewisse Essenzen zu verfügen, die den Lebensgeist rufen können, mit Hilfe Iduns, der Göttin der Unsterblichkeit.

Ein Stöhnen entringt sich dem Mund der Heilerin, Tränen beginnen zu laufen, Leben kehrt zurück in diesen geschundenen Leib, wir stützen sie, wir richten sie auf, sprechen sie an, langsam, unendlich langsam kehrt ihre Seele zurück, der Herr erweckt sie ins Leben, verworren erst, dann immer klarer kann sie berichten. In die Tiefe gestürzt war sie, in das unermessliche Grauen, wo Dämonen und Schlangen sie erwarteten, sie quälten und schwächten, bis sie schon das Große Licht kommen sah, das einen mitnimmt in die Zwischenwelt und noch weiter, zu den Aposteln und Heiligen, aber dann, dann sah sie den Engel, und der Engel war gut, der Engel war die Liebe, der Engel reichte ihr die Hand, und nach dem Engel erschienen meine Gefährtin und ich. Ich murmelte etwas von dem guten Geist, der sie offensichtlich nicht verloren gibt, und von dem großen Plan, der noch etwas für sie bereithält, doch wohl war mir bei diesen Sprüchen nicht, denn nicht verstehen konnte ich den Sinn all dieser Geschehnisse.

Tini und der Engel … was ist das für eine Beziehung? Ist der Engel ihr spezieller Paraklet, oder ist sie selbst ein Wesen der Zwischenwelt, eine Abspaltung in diese Welt hinein, eine Ausstülpung des Guten, theos ekenosen, wie es der Kosmos bei machtvollen Werken des Teufels erwirkt, um das Gleichgewicht wieder herzustellen? Eine Abspaltung, die aber nur schwer rückgängig zu machen ist, ewig irren diese Halbwesen durch die Welt auf der Suche nach ihrem überirdischen Teil, der sich dann oft selbst vergeistigt, ganzheitliche Gestalt annimmt, wie es im apokryphen Petrus-Evangelium heißt, und dann selbst auf der Suche ist nach dem fehlenden Teil.

Ich muss mit dem Engel sprechen, er scheint zu reden, und dieser muss Tini finden, denn die beiden scheinen sich zu brauchen, sie sind zwei Halbwesen oder es ist einfach eine Art übersinnlicher Liebe, die wir Irdischen nicht, noch nicht, verstehen.

Wir lassen Tini zurück, sie hat sich beruhigt, sie kommt zu Kräften, sie schläft erschöpft, aber selig ein, ich habe sie noch bekreuzigt und ihr verstohlen einen Kuss auf die Stirn gedrückt, wir treten hinaus in die warme Nacht, wo hell das Kreuz des Südens leuchtet, atmen erleichtert die frische Luft und kehren nachdenklich in die Stadt zurück. Masajo ist an meiner Seite und alles ist gut.

Carima, Du Land der großen Geschehnisse, lass uns nicht versagen in der Stunde der Prüfung, bleib uns treu und führe uns immer wieder ans Licht per Filium Tuum Iesum Christum Dominum Nostrum. Amen.

Die Heilerin und der Engel

Veröffentlicht in Satan, Tini am 28. Juli 2008 von asgardill

Ahnungen erfüllen sich, Verbindungen entstehen, Fragen klären sich. In der Nacht, als der Engel des Herrn die Dämonin Hespera tötete, hatte ich die Heilerin Tini getroffen, sie schien verletzt zu sein, wie leidend nach einem harten Kampf. Ich fragte sie nach dem Geschehenen, aber sie wich aus. Gestern nun trat der Engel wieder in Erscheinung, der Engel des Todes und des Lichts, und fragte nach seiner sterblichen Hülle. Abgelenkt durch eine Nixe konnte ich nicht mit ihr sprechen, aber sie schien diesen Leib dringend zu benötigen. Lady Aliena sprach eingehend mit ihr und ich konnte nur Wortfetzen auffangen.

Jedenfalls befragte mich später Hespera, zu allem Elend dieser Welt wiedergeboren als Tochter des Satans, nach dem Verbleib der Heilerin Tini, und sie schien sehr erleichtert, als Lady Aliena ihren Tod verkündete. Auch mich erschreckte diese Nachricht sehr und ich hoffe inbrünstig, dass Lady Aliena nur versucht hat, die Teufelin zu täuschen, und dass die Heilerin sehr wohl am Leben ist. Jedenfalls sah ich sie vor kurzem noch tanzen im Ballsaal und sie schien frisch und wohlauf zu sein.

Dieses Zusammentreffen der Ereignisse weist wohl darauf hin, dass zwischen der Heilerin und dem Engel ein Zusammenhang besteht. Sollte Tini diese „sterbliche Hülle“ des Engels sein? Aber welchen Sinn sollte dies haben? Warum sollte sich ein unsterbliches Geistwesen in einem Sterblichen ansiedeln, wie sollen zwei Seelen in der Brust eines Menschen verweilen können? Aber der Engel verkündete eindeutig: „Ohne einen menschlichen Körper kann kein Engel auf Dauer auf Erden bleiben.“

Die Heilerin sprach von etwas Fremden, das sie bedrücke, das in ihr wohne, das sie nicht kenne, aber ohne das sie sich leer fühle, unendlich leer, das sie aber gleichzeitig belaste und ihr Schmerz zufüge. Sollte dies der Engel sein, der sich in ihr Wohnstatt gesucht hätte? Dass Dämonen Menschen und Schweine befallen können, ist bereits in der Bibel bezeugt. Aber dass Engel sich in Menschen einnisten, ist bislang unerhört.

Es ist meine Pflicht, dies zu ergründen, denn das wird die Oberen interessieren. Es wird manche Darlegungen des Aquinaten in neues Licht rücken, und selbst die Versuchung des Herrn durch den Teufel, der ihn von der Zinne der Burg stürzen wollte, würde einer neuen Sichtweise bedürfen.

Der Engel sprach davon, diese Welt verlassen zu müssen, wenn er nicht seinen Körper wiederbekommen würde. Nun ist aber die Teufelin wieder aufgetaucht, stärker und zum Bösen verführerischer denn je zuvor. Carima braucht diesen Engel, mehr denn je. Die Heilerin muss leben und bei Bedarf muss sie wieder zum Leben erweckt werden. O Götter des Hades, Fährleute des Styx, Dämonen des Orkus – helft! Und wenn es eines diabolischen Handels bedarf …

Geschwächt

Veröffentlicht in Merkwürdiges, Satan, Tini am 25. Juli 2008 von asgardill

XXVIII Julii MMVIII

Gestern abend das Ende der Satanin. Ein Engel erschien und tötete sie. Schlag 21 Uhr, um die neunte Stunde. Wackere Ritter lieferten sich noch Gefechte mit Vampiren und erneut mussten die Vampire ins Gras beißen. Der Engel verschwand, ich zog mich zurück.

Weil ein rasender Ritter mich in seinem Übereifer verletzt hatte, suchte ich den Weg zur Heilerin. Ich fand sie unter dem Wasserfall, ihrem bevorzugten Platz. Sie schien selbst verletzt zu sein, konnte kaum aufstehen, sprach unter Qualen. Schien zeitweise im Fieberdelir. Wir führten ein langes, ernstes Gespräch, über das ich nichts notieren möchte.

Es geht ihr jedenfalls nicht gut, eine schlimme Vergangenheit und vielleicht noch ein dräuendes Schicksal setzen ihr zu. Domine miserere ei.

Die frivole Fürstin

Veröffentlicht in Satan am 21. Juli 2008 von asgardill

XVIII Julii MMVIII

Schlimmes hatte sich zugetragen, denn der Fluch der Satanin hatte die Stadt und den Erdkreis böse getroffen. Kälte hatte sich über die Flure und Straßen gelegt, Schnee und Eis machten die Flüsse unschiffbar und die Nächte rau. Das Brennholz wurde knapp und der Adel dachte gar nicht daran, dem leidenden Volk unter die Arme zu greifen.

Besonders hartherzig erwies sich Fürstin Julia, ansonsten ein freundliches und gütes Wesen, und bald entstand der Verdacht, die Teufelin könnte ihr Herz verhärtet haben, wie weiland der Herr das Herz des Pharaos verhärtete. Ich befragte sie aufs Genaueste und musste zu dem Schluss kommen, dass der Geiz, eine der sieben Wurzelsünden, sie befallen hatte. Sie sprach auch gleich positiv auf meinen Sud aus Alraunensaft, Echinacea, Siebensternwurz und Affenbrotbaumrinde an. Diesen hatte ich noch als kleinen Rest vorrätig, weil ich unlängst den Count von Helsingfordshire in ähnlicher Weise behandelt hatte. Das Problem war nun, einerseits die Zutaten für einen neuen Sud zu bekommen und andererseits die Fürstin dazu zu bewegen, den Trank einzunehmen.

Zum Glück erwies sich wie schon öfters die Händlerin Masajo als hilfreich. Sie half mir mit Kräutern aus, die den eigentlich benötigten Zutaten an Wirkung ähnlich waren, so dass nach kräftigem Erhitzen die Substanzen die nötige Amalgamierung erreichten, zumal ich von meinem Großvater noch einen Wirkzauber gelehrt bekam, der den Umwandlungsprozess auch diesmal wieder aufs Schönste beförderte.

Ich goss das Getränk in eine große Amphore aus klarstem Lapislazuli und schaffte diese mit Hilfe der Händlerin bis zur Fürstin. In einer besonderen Ausprägung ihres Geizes trachtete nun die Fürstin danach, nicht nur das Getränk, sondern auch mich zu bekommen, und sie hielt mit eindeutigen Avancen nicht hinter dem Berg, was meine Begleiterin tief erschütterte. Ich war wohl etwas zu ablehnend – da ich Masajo nicht kränken wollte – und hätte damit beinahe die heikle Mission gefährdet, da die Fürstin aufbrausend reagierte. Sie fühlte sich abgewiesen und noch dazu von einem, den sie als Gemeinen einstufte, von denen sie ja erwarten konnte, dass sie auf ein Schnippen ihres Fingers hin ihr in jeglicher Art zu Diensten seien.

Groß war meine Erleichterung, als ich gewahr wurde, dass die Fürstin alsbald den Verlust der Romanze mit mir durch ein umso größeres Verlangen nach dem Getränk und dem leuchtenden Gefäß parierte. Da ich die Amphore bereits gut sichtbar im Besucherzimmer der Fürstin aufgestellt hatte, war es ein Leichtes, ihr soviel von dem Getränk zu kredenzen, dass es – und zwar durchaus rasch und heftig – die gewünschte Wirkung zeigte. Die Fürstin schien wie aus einem Traum zu erwachen, ließ sich rasch über die Vorgänge im Land ins Bild setzen und beschloss auf der Stelle, ihre Holzvorräte dem darbenden Volk zu übereignen. Auch bekundete sie heldenhaft, kein heißes Bad mehr einnehmen zu wollen, solange auch ihr Volk dasselbe zu genießen entbehren musste.

Leider war meine wackere Begleiterin Masajo schon vorzeitig aufgebrochen und konnte daher den Dank der Fürstin für ihre Errettung nicht mehr umfassend entgegennehmen. Als ich in die Stadt zurückkehrte, schienen Tumulte anzudeuten, dass weitere Personen vom Fluch der Teufelin und offensichtlich weiteren Wurzelsünden befallen waren. Da mich jedoch eine länger geplante Reise einige Tage aus Carima wegführte, konnte ich den Fortgang nicht näher verfolgen.

Alpträume

Veröffentlicht in Merkwürdiges, Satan am 14. Juli 2008 von asgardill

Heute von schrecklichen Alpträumen geplagt. Ob die neue Weinlieferung daran schuld war, vermag ich nicht zu sagen. Zuerst träumte ich vom famosen Kollegen Kazujaki, wie er von Wirbelstürmen und Totenköpfen verfolgt wurde, die alsbald mich heinsuchten. Also rannte ich wie wild hin und her, um diesen Verfolgungen zu entkommen, was natürlich aussichtslos war, und aus dem Gejohle der Totenköpfe tauchten schreckliche Bilder auf. Da war zuerst ein ehrbarer Bürger unserer Stadt, der plötzlich in einem nackten Frauenkörper erschien, wie der Gekreuzigte beide Arme ausbreitend, regungslos verharrend, bis dieses Bild wieder in den Wirbelstürmen versank. Dann das Bild eines unterirdischen Verlieses, in dem der Satan höchstselbst ruhte im steinernen Sarg, noch nicht erwacht, aber schon Kräfte sammelnd für die Schlacht gegen die Menschheit. Dieses Bild prägte sich mir so stark ein, dass ich versuchte, es zu Papier zu bringen. Hier ist das Resultat meiner zittrigen Finger.

Zum Glück erwachte ich bald, war tatsächlich in der Mittagshitze bei einem Glas Wein eingenickt, und wurde durch den munternen Gesang einer Holden, die sich in ihrem Boot näherte, aus meinen üblen Träumen erlöst. Nun, Träme sind Schäume, sagt der ängstliche Volksmund, aber der Magier weiß um die Botschaften, die gute wie böse Dämonen manchmal im Schlafe senden …

Die Satanin

Veröffentlicht in Satan am 13. Juli 2008 von asgardill

Heute habe ich sie erneut gesichtet: die Satanin. Leider kam ich zu spät zum Stadtplatz, wo etliche Ritter sie gestellt hatten und sogar Angehörige des gemeinen Volkes versuchten, mit geliehenen Waffen ihr ein Leides anzutun. Das alles hatte wie üblich wenig Wirkung. Einen Dämon aus den Totenreich tot machen zu wollen, ist wenig sinnvoll. Die Satanin drohte sieben Strafen über Carima an, allerdings blieb mir unklar, unter welchen Umständen die davon Abstand nehmen würde. Als erste Strafe wurde die Fürstin Julia vom Geiz befallen. Gott schütze Carima ….

Mysteriöse Ereignisse

Veröffentlicht in Satan am 10. Juli 2008 von asgardill

Julii X, A. D. MMVIII

Schreckliche Ereignisse tragen sich zu auf Carima. Gestern wurde ich Zeuge einer leibhaftigen Inkarnation des Satans, allerdings in ungewöhnlicher Gestalt. Es trug sich zu im Lande Carima, in dem ich mich derzeit auf Geheiß meiner Oberen aufhalte. Es gab ein groß Geschrey und viel Volk lief zusammen. Eine Teufelsgestalt, allerdings offenkundig ein Weibsbild, und mit zweyen Pferdefüßen, verfolgte einen anderen Dämon, der jedoch über den Kirchberg flüchten konnte. Man rief den Namen „Baal“, der in mir grässliche Erinnerungen weckte.

Wackere Recken stellten die Teufelsgestalt und der Erzmagier hub an mit seinen Beschwörungen. Die Teufelin scherte sich nicht viel darum, leider auch nicht um meine allerdings noch recht kläglichen magischen Sprüche. Sie fing indes an zu reden und bot den versammelten Edelleuten an, mit ihr gemeinsam den Dämon Baal zu bekämpfen, im gemeinsamen Kampfe von Menschen, Elben, Engeln und Dämonen.

Dies fand zunächst nicht allzu großen Zuspruch. Aber die Aussicht, zwei Gegner gleichzeitig bekämpfen zu müssen, rief zumindest mich zur Vernunft und ich beschwor die Menge, zumindest zum Schein auf das Angebot der Teufelin einzugehen und mit ihr gemeinsam diesen Baal zur Strecke zu bringen.

Ich bin nicht sicher, wie die Beratungen der Ritter und Magier weiter verliefen, da meine Aufmerksamkeit von einer Person erregt wurde, die sich als gefallener Engel zu erkennen gab und die daselbst auf unseren Herrn gar gotteslästerlich fluchte. Da musste ich einschreiten, allerdings zunächst nur mit Unterweysung und Belehrung.

Ich muss mehr über die Vorfälle auf Carima in Erfahrung bringen. Offensichtlich liegt ein Fluch auf diesem Land, und es scheint nicht viel zu fehlen, und Carima verwandelt sich in Lacrima …